VIELFALTER-BLOG

Was Warane mit der Taxonomie-Krise zu tun haben

Von Josef Zens

Varanus rasmusseni heißt eine der drei neu entdeckten Waran-Arten auf den Philippinen. Mitarbeiter des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK), das im Untertitel Leibniz-Institut für terrestrische Biodiversität heißt, haben sie zusammen mit Kollegen erstmals beschrieben und nach dem dänischen Herpetologen Dr. Jens B. Rasmussen benannt. Vor seinem Tod arbeitete er am Zoologischen Museum in Kopenhagen. Dort fanden sich die bislang einzigen beiden Individuen der neuen Art als Sammlungsstücke im Magazin des Museums. Die Stelle des Taxonomen Rasmussen ist heute verwaist, und mit der Benennung des Warans setzen ihm die Autoren der Studie nicht nur ein Denkmal, sondern wollen nach eigenen Worten auf die globale Krise der taxonomischen Forschung aufmerksam machen.

Die drei neuen Philippinen-Warane wurden nach mehrjährigen Studien zahlreicher konservierter Belegexemplare der großen europäischen Naturkundemuseen, in Kombination mit Feldstudien vor Ort, identifiziert. In der Pressemitteilung des ZFMK heißt es dazu: Dies belegt einmal mehr die immense Bedeutung dieser Museumssammlungen als die Archive der Biodiversität auf der Erde. Leider werden die dafür nötigen Kuratorenstellen in Zeiten knapper öffentlicher Mittel oftmals nicht wiederbesetzt, wenn ein Wissenschaftler ausgeschieden ist, was sich auf die betroffenen Sammlungen und die zugehörigen Wissensgebiete desaströs auswirkt.

Professor Dr. Wolfgang Böhme, Vizedirektor des ZFMK und als Leiter der herpetologischen Sektion seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Erforschung der Warane befasst, fügt hinzu: „Es ist erstaunlich, dass diese größten noch lebenden Echsen der Welt so lange vernachlässigt wurden und der Wissenschaft immer wieder bislang unbekannte Arten begegnen. Es zeigt sich, dass auch bei großen Wirbeltieren noch lange nicht alle Arten unseres Planeten erfasst und benannt sind. Insgesamt gibt es viel zu wenige Experten auf der Welt, ihre Ausbildung an den Universitäten ist stark rückläufig, und das Wissen über die globale Artenvielfalt, das auch für die Existenz des Menschen essentiell ist, läuft Gefahr verloren zu gehen!“

Hier geht es zur Pressemitteilung mit Fotos (eine englische Version gibt es auch).

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