VIELFALTER-BLOG

Uno-Gipfel in Nagoya – Artenschützer feiern Gipfel-Durchbruch

Es sind gute Nachrichten für den Umweltschutz: Das Uno-Gipfeltreffen im Nagoya ist mit einer umfassenden Einigung zu Ende gegangen. Arme Länder sollen für die Nutzung ihres biologischen Reichtums entschädigt werden. Auch weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt wurden beschlossen.

> im Spiegel-Online Originalartikel weiterlesen (vom 29.19.10, MEZ abends, Christian Schwägerl aus Nagoya)

(eingestellt von R. Leinfelder)

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Nachtrag vom 30.10.10:

> Ausführlicher Kommentar zur Bedeutung und zu den Inhalten des Nagoya-Abschlusses von Christian Schwägerl vom 30.10.10

> Auswahl weiterer Presseartikel aus der Entscheidungsnacht (Einträge -30.10.10): http://twitter.com/rleinf

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Kleine Medienschau zur COP 10

von Matthias Premke-Kraus

Das Medienecho in Deutschland zur 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt ist bisher eher verhalten, zumindest was die Printmedien angeht. Kein Wunder – sind doch die Ergebnisse nach gut einer Woche Verhandlungen von außen betrachtet noch kaum wahrnehmbar. Die letzte Eintragung auf der COP 10-Webseite des Sekretariats für die CBD ist vom 18.10.2010 datiert.

Eine Ausnahme macht die Redaktion (oder besser die Redaktionen) des online Portals „Welt Online“, zu der neben der Online-Ausgabe der Zeitung „Die Welt“ auch „Welt Kompakt“ und die WAS (Welt am Sonntag) gehört. Sucht man dort unter dem Stichwort „Biodiversität“, bekommt man so viele aktuelle Treffer wie sonst in keiner anderen deutschsprachigen Zeitung (vergleicht man das Medienecho hierzulande mit der englischsprachigen Medienwelt, so ist an erster Stelle der Guardian zu nennen, der eine hervorragende Berichterstattung zum Thema hat).

Dies ist natürlich zu begrüßen, obwohl sich bei näherem Hinsehen die Redakteure überhaupt nicht einig sind (ähnlich wie bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ werden ja die Redaktionen immer inhomogener und als Leser wundert man sich manchmal, was da noch zusammenhält).

Bei der Welt online beklagt sich der eine Beitrag beispielsweise darüber, dass „die seltenen Tiere ständig als Fortschrittsbremse benutzt werden“ und „ es daher nur eine Frage der Zeit ist, bis der Naturschutz insgesamt in Frage gestellt wird“. Hier sei nur kurz darauf verwiesen, dass der NABU dieses Jahr seinen 111. Geburtstag feiert und im übrigen immer noch steigende Mitgliederzuwächse hat. Oder es sei verwiesen auf die Arbeit der Stiftung Naturschutzgeschichte, die die lange Tradition der deutschen Naturschutzarbeit aufarbeitet.

Da liest sich ein Gastbeitrag des renommierten Direktors des Royal Botanic Gardens, Stephen Hopper, schon besser, der im Grunde genommen ein tiefgründiges Pamphlet ist für die Erhaltung und den Schutz der Artenvielfalt und unserer natürlichen Ressourcen ist, weil die „Artenvielfalt für uns überlebenswichtig“ ist.

Wie auch immer, eine Berichterstattung wie in der Welt online wünscht man sich auch in anderen Zeitungen  und es soll deswegen hiermit darauf hingewiesen sein.

Eine Auswahl weiterer jüngst erschienener Artikel rund um COP 10 finden Sie hier:

Welt online vom 27.10.2010: „Artenvielfalt ist extrem gefährdet

Die Welt vom 19.10.2007: „Nachdenken über die Zukunft der Arten

Der Tagesspiegel vom 18.10.2010: „Die letzten ihrer Art

Spiegel Online vom 18.10.2010. „Naturschützer fürchten Gipfel-Fiasko

Der Tagesspiegel vom 04.09.2010: „Bedrohte Vielfalt

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Ein Fünftel aller Arten stark bedroht

von Josef Zens

Eigentlich nichts Neues, aber dennoch “Big News” auf BBC und andernorts: Ein Fünftel aller Tier- und Pflanzenarten ist vom Aussterben bedroht. Besonders prekär ist die Lage bei den Amphibien. Das ist das Ergebnis einer Studie der Weltnaturschutzorganisation  International Union for the Conservation of Nature (IUCN). Es gibt aber auch Lichtblicke. Denn bei einigen Arten haben die Schutzbemühungen dazu geführt, dass sie von der “Roten Liste” herunter genommen werden konnten (Buckelwale) oder zumindest ihren Status verbesserten (Kondore zum Beispiel).

Hier geht es zum Artikel.

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TEEB – Zur ökonomischen Bedeutung der Biodiversität

von Wolfgang Cramer

Heute wurde in Nagoya (Japan), im Zusammenhang mit der Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonferenz, der Endbericht der TEEB-Studie veröffentlicht. Es gibt die weitverbreitete Hoffnung, dass diese Untersuchung eine ähnliche Bedeutung für den Schutz der Biodiversität haben wird wie seinerzeit der “Stern-Report” zu den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels.

Hier ist der Link zur Pressemitteilung des UFZ, der auch auf die Bedeutung der Studie für Deutschland hinweist.

Die verschiedenen TEEB-Reports selbst (auf Englisch) kann man hier herunterladen.

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10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) in Nagoya (Japan) eröffnet

Gastbeitrag von Matthias Premke-Kraus

Gestern wurde die 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity, COP) unter dem Motto „Life in harmony, into the future“ eröffnet. Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt, diesmal im japanischen Nagoya vom 18. bis zum 29. Oktober 2010.

Zur 10. Vertragsstaatenkonferenz möchten auch wir in den nächsten zwei Wochen in loser Folge über die wichtigsten Ergebnisse berichten.

Die letzte COP 9 fand unter dem Vorsitz Deutschlands im Mai 2009 in Bonn statt. Die deutsche Präsidentschaft endete offiziell erst jetzt bei der COP 10 und wird durch die japanische Präsidentschaft abgelöst.

Die Vertragsstaatenkonferenz stellt das oberste politische Entscheidungsgremien der Konvention dar, die mittlerweile von 193 Vertragsstaaten unterzeichnet wurde. Damit ist die CBD zahlenmäßig eine der meistunterzeichnetsten Konventionen überhaupt.

Jüngster Vertragsstaat ist Somalia, der im Dezember 2009 Mitglied geworden ist. Zur Erinnerung: Die USA hat zwar damals etwas zeitversetzt nach dem Rio-Gipfel im Jahre 1993 die Konvention mit signiert, zählt aber bis heute nicht zu den „Parties“, d.h. die USA haben die Konvention bis heute nicht völkerrechtlich verbindlich unterzeichnet.

Gestern hat Ahmed Djoghlaf, der Geschäftsführer der CBD, die Konferenz eröffnet, an der insgesamt 16.000 (!) Repräsentanten teilnehmen.

Herr Djoghlaf ging in seiner Eröffnungsrede auf die 4. Nationalen Berichte ein, die bisher insgesamt 170 Nationen erstellt haben, die alle zu dem Schluss kommen, dass der Verlust an biologischer Vielfalt nicht gestoppt werden konnte. Deutschland hat seinen vierten Nationalen Bericht im Frühjahr 2010 eingereicht. Auch der dritte „Global Biodiversity Outlook (GBO)“, der alle verfügbaren Informationen implementiert, kommt zu diesem Fazit.

Was steht auf dem Plan:

Drei Meilensteine sind im Wesentlichen die zentralen Verhandlungsthemen:

  1. Die Unterzeichnung des sogenannten ABS-Protokolls. ABS steht für „Access and Benefit Sharing“ (Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich), einem rechtsicheren Vertragswerk, das den Zugang von genetischen Ressourcen nach dem Prinzip regeln soll, dass die Herkunftsländer an den Gewinnen gerecht beteiligt, die der Nutzer erzielt. In Deutschland fand dazu aus nationaler Perspektive erst vor wenigen Tagen eine dritte Runde mit den Nutzern statt, da sich Deutschland die Verabschiedung einer solchen internationalen Regimes auf die Fahnen geschrieben hatte. Der positive Ausgang dieses kontroversen ABS-Protokolls auf der COP 10 ist noch ungewiss.
  1. Verabschiedung eines Strategischen Plans der CBD (Strategic Plan) für die nächste Dekade und eine langfristige Vision bis 2050. Nach Ablauf der bisherigen Zielsetzung, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen, steht nun eine inhaltliche Überarbeitung mit der Festlegung neuer Ziele an.
  1. Finanzierungsinstrumente: neue innovative Finanzierungsinstrumente müssen gefunden werden, um den Verlust der Biodiversität zu stoppen. Einige neue Initiativen wurden dazu jüngst gestartet.

Weitere deutschsprachige Informationen erhalten Sie auch beim Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung in Deutschland (NeFo), deren Projektmitarbeiter vor Ort sind und unter anderem auch im COP-Blog berichten.

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Interview mit Ahmed Djoghlaf “Wir müssen dringend die Wissenschaftler auf lokaler und globaler Ebene mobilisieren.”

NeFo führte ein Gespräch mit Ahmed Djoghlaf, dem Exekutivsekretär des UN-Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD). Anlass ist der Beginn der 10. Vertragsstaatenkonferenz der CBD in Nagoya, Japan.

NeFo, das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland wird von dem Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ), der Universität Potsdam und dem Museum für Naturkunde Berlin für Diversitas Deutschland betrieben. Durch das Museum für Naturkunde Berlin ist auch der Leibniz-Verbund Biodiversität mit NeFo eng vernetzt.

Trotz des vor acht Jahren veranschiedeten Ziels der meisten UN-Vertragsstaaten, das dramatische Dezimieren von Arten und Lebensräumen durch die menschliche Lebensweise bis 2010 zu verringern, geht der Schwund nahezu unverändert weiter. Noch immer sterben Arten in bis zu tausendfacher Geschwindigkeit im Vergleich zur natürlichen Raten aus. Das ist die Ausgangslage, in der die Staaten nun das weitere Vorgehen im Umgang mit den natürlichen Resourcen verhandeln. Ahmed Djoghlaf, Exekutivsekretär des UN-Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD), ist Austräger der 10. UN-Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya. Im nefo_nackt-Interview spricht er über den neuen Strategischen Plan der CBD bis 2020, die essentielle Rolle der Wissenschaft in den politischen Prozessen um die Biodiversität und seine Erwartungen an die Konferenz.

Welches sind die wichtigsten Punkte des strategischen Planes der CBD für 2011 bis 2020?

Bei der Aufstellung des neuen strategischen Planes haben wir versucht aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. 2002 haben die Vertragsstaaten des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt beschlossen den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 zu reduzieren und die EU hat 2001 sogar beschlossen den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen. Das waren politische Ziele ohne Beteiligung der Wissenschaft. Die Wissenschaft wurde nicht bezüglich der Umsetzbarkeit dieser Ziele befragt. Und es war auch nicht klar, wie die Einhaltung dieser Ziele mittels Indikatoren überprüft werden sollte.

Für den neuen strategischen Plan versuchen wir das anders zu machen. Es ist diesmal kein top-down Prozess. Wir haben bisher 16 regionale und globale workshops mit den Regierungen abgehalten. Der letzte Workshop wurde gemeinsam von Großbritannien, einem führenden EU-Mitglied, und Brasilien einem Hotspot biologischer Vielfalt, durchgeführt. Auch wurde der Plan vom wissenschaftlichen Beirat (SBSTTA) durch 800 Wissenschaftler begutachtet. Wir haben über unser Internet-Angebot der CBD die Möglichkeit zur breiten, aktiven Beteiligung am Strategischen Plan geschaffen, wo jeder Weltbürger seine Sicht einbringen konnte. Wichtig ist aber vor allem die Umsetzung des strategischen Plans auf nationaler Ebene. Vor allem sollte die Umsetzung der Strategie ressortübergreifend stattfinden. Es sollten sich nicht nur das Umweltministerium und die nachgeordneten Behörden mit der Umsetzung beschäftigen, sondern alle Ressorts sollten sich beteiligen. Wir wollen auch die Wirtschaft bei der Umsetzung mit einbeziehen da diese eine große Rolle hierfür spielt.

Wir hoffen, dass der strategische Plan auf der nächsten Vetragsstaaten-Konferenz der CBD in Nagoya angenommen wird. Der Plan besteht aus einer langfristigen Vision bis 2050 und mittelfristigen Zielen bis 2020. Außerdem, und das ist der entscheidende Unterschied zu den 2010 Zielen, enthält der strategische Plan diesmal auch Maßnahmen mittels derer die Ziele erreicht werden sollen. Eines der Probleme der 2010 Ziele war es sie zu verabschieden ohne konkrete Maßnahmen diese auch umzusetzen. Da Die Umsetzung im Wesentlichen auf nationaler Ebene geschieht werden wir die Regierungen auffordern ihre nationalen Pläne und Strategien zu überarbeiten um die 2020 Ziele auf nationaler Ebene zu integrieren. Um die Umsetzung zu überprüfen wird ein Monitoring installiert mittels dessen Hilfe 2015 eine Evaluierung der Umsetzung auf nationaler erfolgt; so werden wir nicht wie jetzt vor kurzem bei den 2010 Zielen von einem Scheitern überrascht. Entwickeln sich die Indikatoren nicht wie gewünscht, dann können rechtzeitig korrigierende Maßnahmen durchgeführt werden.

> Gesamtinterview bei NeFo lesen

NeFo bietet auch wesentliche Basis-Informationen zur COP 10 in Nagoya, inclusive eines COP-Blogs von NeFo-Mitarbeitern, die von Nagoya aus berichten.

(Reinhold Leinfelder, 19.10.2010)

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Bestsellerautor und Hobbyornithologe Jonathan Franzen am Berliner Museum für Naturkunde

von Stefanie Firyn

Ein humorvoller, sympathischer Jonathan Franzen bezauberte am 17.10.2010 in fließendem Deutsch rund 300 Gäste der Sonntagsmatinee im Museum für Naturkunde.

Die Veranstaltung war explizit nicht als Lesung des kürzlich neu erschienenen Werks konzipiert, vielmehr sollte passend zum Ort die zweite große Leidenschaft des Erfolgsautors im Mittelpunkt stehen: Vögel. So plauderte Franzen ganz entspannt, angeregt durch Fragen seines Gesprächs- und Birdwatching Partners Dr. Andreas Meißner, Leiter des Naturschutzzentrums Ökowerk Berlin, über die Freuden, persönlichen Erfolge und Erlebnisse eines Hobbyornithologen. Er schwärmte vom „Jagdfieber“, das ihn packt und dazu verführt, auch 14 Stunden am Stück auf den perfekten Beobachtungsmoment zu warten, von der Freude, eine bislang noch nicht persönlich gesehene neue Art zu entdecken (weltweit hat er bereits 1500 Arten gesehen). Dazu kam das persönliche Bekenntnis, dass er als Frühaufsteher häufig im Zwiespalt sei, die Gunst der frühen Stunde für das Schreiben oder zur Vogelbeobachtung zu nutzen.

Ernste Themenfelder wurden diskutiert, die Bedrohung der Vogelvielfalt durch Veränderung der Habitate und auch durch traditionellen Vogelfang im Mittelmeerraum und anderen Ländern wurde eindringlich betont. Franzen appellierte schließlich, Vogelschutzorganisationen zu unterstützen. Die Frage, inwiefern ein Sponsoring von Umweltschutzorganisationen durch die Energiewirtschaft vertretbar sei, spannte den Bogen wieder zum Literaten Franzen – dies ist ein zentrales Thema in seinem neuen Buch „Freiheit“.

Die Besucher der Veranstaltung (Veranstalter: Literaturforum im Brecht-Haus in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde Berlin) wurden allesamt mitgerissen von den inhaltlich präzisen Auskünften und den realistischen, begeisterten Erzählungen über Vögel – ganz gleich, ob es sich um den Literaturliebhaber oder den Vogelfreund handelte. Auf dem sonnigen Nachhauseweg durch die Straßen Berlins hörte sicherlich jeder etwas genauer hin.

Jonathan Franzen nicht nur als Verbinder zwischen Kultur und Natur, sondern als Protagonist und Vorbild für Eigenengagement für die Wissenschaften – etwas besseres konnte dem wichtigen Thema Bürgerpartizipation für das Biodiversitätsmonitoring überhaupt nicht passieren!

Gastautorin Stefanie Firyn arbeit im Bereich Kulturmanagement am Museum für Naturkunde Berlin

Tipp: Lesen Sie auch den ausführlichen Beitrag der taz zu Jonathan Franzen im Museum für Naturkunde
bzw. den Beitrag der Süddeutschen dazu.

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Immigration und Integration in der Botanik

Die Artenvielfalt der Frankfurter Großstadt-Gewächse übertrifft die des elfmal größeren Taunus: Um die 1400 verschiedene Pflanzenarten gibt es in Frankfurt am Main. Wissenschaftler – darunter auch Experten der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, die mit ihrem Museum und den Forschungsstätten zur Leibniz-Gemeinschaft gehört – haben die Pflanzen kartiert; an Gleisen und Flussufern, an Straßenrändern oder im Stadtwald sowie auf Brachflächen.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass etwa jede zweite Pflanzenart vom Menschen irgendwann nach Frankfurt gebracht worden sei. Ein Beispiel solcher eingeschleppter Pflanzen nannte Prof. Georg Zizka vom Forschungsinstitut Senckenberg: es handelt sich um die aus Nordamerika stammende «strahlenlose Kamille», die einstmals zugereiste Pflanze ist heute weit verbreitet.

Mehr zur Biotopkartierung auf den Seiten der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft  – und zwar hier.

Josef Zens
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NOAA: Korallenbleichung in der Karibik sehr wahrscheinlich

Nach Angaben des NOAA Coral Reef Watch Überwachungssystem ist für 2010 in der Karibik Korallenbleiche sehr wahrscheinlich. Bei während des ganzen Jahrs überdurchschnittlichen Temperaturen zeigen NOAA-Modelle ein starkes Potenzial für das Bleichen in der südlichen und südöstlichen Karibik bis Oktober. Die Bleichung könnte ebenso stark wie im Jahr 2005 werden, bei dem über 80 Prozent der Korallen ausbleichten und über 40 Prozent an vielen Standorten in der gesamten Karibik abstarben. Wissenschaftler berichten bereits von Korallenbleichung an mehreren Standorten in der Karibik. Starke Bleichungsereignisse wurden aus anderen Teilen der Welt berichtet.

Die NOAA Coral Reef Watch (CRW) Satellitenüberwachung zeigt, dass die Seeoberflächentemperaturen weiterhin im gesamten karibischen Raum überdurchschnittlich hoch bleiben. Weite Gebiete der südöstlichen Karibik erleiden derzeit Temperaturstress, der in Bleaching umschlagen könnte. Der westliche Golf von Mexiko und den südlichen Teil der Bahamas sind ebenfalls bereits von temperaturbedingtem Bleaching gezeichnet. Der CRW Bleaching Outlook zeigt, dass sich bis Mitte Oktober hoher Hitzestress in der südlichen und südöstlichen Karibik entwickeln wird. Längeres Korallenbleichen kann zum Tod der Korallen und zum Verlust des Lebensraums Korallenriffe für eine Vielzahl von Meeresorganismen führen.

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Auch wenn in der Karibik eine Vielzahl von Belastungen – vor allem Temperaturstress – weiterhin im Steigen begriffen sind, werden die Temperaturen im Golf von Mexiko und Florida vermutlich demnächst fallen. Hinzu kommt, dass Hurrikane und tropische Stürme, welche entlang der US Virgin Islands zogen, dort das Wasser abgekühlt haben. Forscher der NOAA konnten zeigen, dass tropische Stürme temperaturkühlend wirken und damit die Bleichungsgefährdung herabsetzen. NOAA prognostiziert, dass die diesjährige Hurrikan-Saison vermutlich stärker als normalerweise ausgeprägt sein wird.
……

> Zur gesamten Meldung (auf Englisch)

> weitere Meldung hierzu (adhoc-News)

(Übersetzt und eingestellt von R. Leinfelder)

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Die Nordsee wird nicht das neue Mittelmeer

– Abschluss-Workshop des DFG-Schwerpunktprogramm „Aquashift“ in Kiel –

30.09.2010/Kiel. Sechs Jahre lang haben Wissenschaftler von 16 deutschen Forschungseinrichtungen im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Aquashift“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das Leben im Wasser untersucht – mit teils überraschenden Ergebnissen. Beim Abschlussworkshop vom 4. bis 7. Oktober in Kiel treffen sich rund 200 Experten, darunter Gäste aus insgesamt 18 Nationen, um die Resultate zu diskutieren.

Wein, der sogar in Dänemark gedeiht, atlantische Planktonarten, die sich plötzlich in der Arktis wohl fühlen – auf den ersten Blick verschiebt der Klimawandel die Verbreitungsgebiete vieler Pflanzen- und Tierarten immer weiter in Richtung der Pole. „Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die Zusammenhänge sind viel komplexer, zumindest im Wasser. Das wissen wir jetzt“, sagt Professor Ulrich Sommer, Meeresbiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Sommer hat in den vergangenen sechs Jahren das Schwerpunktprogramm „Aquashift“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) koordiniert. 150 Wissenschaftler von 16 deutschen Universitäten und Instituten haben sich dabei mit den Auswirkungen von Klimaschwankungen auf Tiere und Pflanzen im Süß- und Meerwasser beschäftigt. Das Projekt endet in diesem Herbst. Vom 4. bis 7. Oktober findet in Kiel der Abschlussworkshop statt.

Während des Workshops werden noch einmal zahlreiche Einzelergebnisse aus den verschiedenen Arbeitsbereichen zusammengetragen. „In einer Beziehung sind alle vergleichbar: Die Temperatur ist nur einer von sehr vielen Faktoren, die Veränderungen in einem Ökosystem bestimmen. Und jedes Ökosystem ist anders“, erklärt Professor Sommer. So waren die Wissenschaftler immer wieder überrascht, weil sie auf Einflüsse stießen, die in bisherigen Überlegungen zum Klimawandel kaum eine Rolle spielten. „Ein sehr einfaches, aber plastisches Beispiel ist das Licht. Steigende Wassertemperaturen können zu früherem Phytoplanktonwachstum führen. Wenn gleichzeitig aber die Wolkenbedeckung in den entscheidenden Wachstumsphasen zunimmt, bekommt das Plankton weniger Licht, und der Effekt kann sich umkehren“, erläutert Professor Sommer. Auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Arten eines Ökosystems spielen eine wichtige Rolle. „Erst wenn man all diese Wechselbeziehungen in einem Ökosystem versteht, kann man verlässliche Aussagen treffen, wie es sich bei verändertem Klima verhält“, sagt Sommer. Der Klimawandel verwandle die Nordsee also nicht automatisch in eine Kopie des Mittelmeers, sondern verändere sie in einer ganz eigenen Weise. „Wie genau, müssen viele weitere Studien in jedem Ökosystem zeigen“, betont er.

Zum Abschlussworkshop in Kiel haben sich knapp 200 Wissenschaftler angemeldet, darunter auch viele Experten aus dem Ausland. „Wir begrüßen Sprecher und Gäste aus insgesamt 18 Nationen. Das zeigt das internationale Interesse an den Ergebnissen aus dem Aquashift-Programm“, sagt Sommer. Auf Grundlage dieser Ergebnisse arbeiten viele Arbeitsgruppen nach dem Ende von Aquashift weiter in ihren jeweiligen Spezialgebieten, auch in internationalen Kooperationen. „Für uns in Kiel steht dabei der Ausbau einer Forschungsinfrastruktur von Mesokosmen im Vordergrund, mit der auf europäischer Ebene weitere Versuche zum Planktonwachstum bei sich verändernden Umweltbedingungen durchgeführt werden können“, beschreibt Professor Sommer die Aufgaben der Zukunft.

Hinweis für Redaktionen:
Medienvertreter sind beim Aquashift-Abschlussworkshop „Life in Warming Waters“ vom 4. bis 7. Oktober 2010 herzlich willkommen. Der Workshop findet statt im Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ifm-geomar.de/go/aquashift

Für Interviewanfragen an spezielle Teilnehmer wenden Sie sich bitte an:
Jan Steffen (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 600 2811 bzw. jsteffen@ifm-geomar.de

Hintergrundinformationen:
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von 2004 bis Ende 2010 finanzierte Schwerpunktprogramm “Aquashift” beschäftigte sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf Ökosysteme in Süß- und Salzwasser. Die beteiligten Wissenschaftler arbeiteten sowohl experimentell als auch mit Modellrechnungen. Beteiligt waren das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar (Koordination), das Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung, das GKSS-Forschungszentrum, das Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, das Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam, das Institut für Hydrobiologie der Universität Hamburg, das Institut für Hydrobiologie der TU Dresden, das Institut für Zoologie, Abt. Ökologie, der Universität Mainz, das Institut für Zoophysiologie der Universität Münster, das Institut für Evolution der Universität Münster, das Institut für Geoökologie der TU Braunschweig, das Institut für Botanik der Universität Köln, das Institut für Hydrobiologie, der Universität Dresden, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, das Leibniz-Institut für. Gewässerökologie und Binnenfischerei, das Limnologische Institut der Universität Konstanz, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, die Neunzehnhain Ökologische Station der TU Dresden, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, die Forschungsstelle Bad Saarow der TU Cottbus, das Institut für Biologie II der Universität Leipzig sowie das Zoologische Institut der Universität Köln.

Bildmaterial in höherer Auflösung:
Aquashift-Meskosmen. Foto: A. Lewandowska, IFM-GEOMAR

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulrich Sommer, usommer@ifm-geomar.de
Jan Steffen (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 600-2811, jsteffen@ifm-geomar.de

Bildmaterial, das im Rahmen von Pressemitteilungen des IFM-GEOMAR zur Verfügung gestellt wird, darf nur für redaktionelle Zwecke verwendet werden, die im Zusammenhang mit der Presseinformation steht. Die Urheber-, Nutzungs und Verwertungsrechte des Bildmaterial liegen, sofern nicht anders vermerkt, beim IFM-GEOMAR. Bildmaterial, das redaktionell verwendet wird, muss mit der Quellenangabe “IFM-GEOMAR” versehen werden. Abdruck und Veröffentlichung sind honorarfrei. Wir bitten Printmedien um ein Belegexemplar, bei elektronischen Medien (Internet) um eine kurze Benachrichtigung. Für eine gewerbliche Nutzung des Bildmaterials bedarf es der vorherigen schriftlichen Genehmigung durch die Pressestelle des IFM-GEOMAR.

(eingestellt von R. Leinfelder für den Vielfalter-Blog)

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