VIELFALTER-BLOG

Führung und Fürsorge – das neue Selbstverständnis der internationalen Global Change Forschung

von Katrin Vohland (MfN/NeFo)

Mit der Deklaration der Konferenz „Planet under Pressure“ haben die Global Change Programme deutlich gemacht, welche fundamentalen politischen und praktischen Schritte nötig sind, um die Risiken für das System Erde zu verringern: Produktions- und Konsumptionsmuster müssen sich ändern und das Weltwirtschaftssystem muss sich an anderen Indikatoren als dem Bruttosozialprodukt oder dem Einkommen orientieren, nämlich an den (monetären und nicht-monetären) Werten öffentlicher Güter wie beispielsweise Boden, Wasser und Biodiversität für Wohlstand und Gesundheit von Gesellschaften.

Die Rolle des Menschen und seines Wirtschaftens wird auch im Ausdruck Anthropozän deutlich. Es herrscht großer Konsens, dass menschliche Aktivitäten zu einem dominierenden Faktor für viele Prozesse in Ökosystemen und im Erdsystem geworden sind. Umso dringlicher erscheint die Aufgabe der Wissenschaftler, Grenzen und Schwellen zu definieren, oberhalb derer unerträgliche oder nicht mehr beherrschbare ökologische und soziale Verwerfungen auftreten.

Die Rolle der Wissenschaft soll aber weit darüber hinausgehen, ein prägender Begriff dieser Londoner Konferenz war stewardship. Ähnlich dem Begriff Governance, bei dem eine Reihe verschiedener Werte und Normen mitschwingen, gibt es für den Begriff stewardship keine angemessene deutsche Übersetzung. Er umfasst Fürsorge, Verantwortung und Führung; in meinen Ohren klingt er ein bisschen patriarchal, an einen weise waltenden Gutsherren erinnernd.

Während der Konferenz beschrieb der Term planetary stewardship zumindest implizit die Rolle der Wissenschaft. Planetary Stewardship beschreibt den Anspruch (der Wissenschaft), auf verschiedenen Ebenen das Erdsystem besser zu verstehen, um Regeln für ein nachhaltiges Management benennen zu können, und fordert gleichzeitig die Vermittlung relevanter Erkenntnisse an Entscheidungsträger.

Die Komplexität solcher Prozesse kommt sowohl in der Forderung nach mehr Förderung vernetzter und interdisziplinärer Ansätze zum Ausdruck als auch in den Umorganisationsprozessen der Global Change Forschung selbst. Während aktuell die vier Globalen Programme DIVERSITAS, IGBP,  IHDP und WCRP mit dem gemeinsamen Projekt Earth System Science Partnership (ESSP) und mit ICSU als Globaler Koordinierungs- und Finanzierungseinrichtung die Konferenz ausgerichtet haben, werden in Zukunft einige Programme (mehr oder weniger – das ist noch in der Diskussion) in der Initiative Future Earth aufgehen. Parallel dazu ändert sich auch die Förderstruktur, mit dem Belmont-Forum als neuem Akteur, welches in seiner ersten Förderinitiative die Vulnerabilität von Küsten und Süßwassersicherheit aufgreift.

Die Umstrukturierung der internationalen Global Change Forschung hat sicherlich auch Auswirkungen auf die nationale Ausgestaltung: auf das zukünftige Mandat des National-Komitees für Global Change Forschung, und auf DIVERSITAS D. Entsprechend dem Selbstverständnis nationaler Biodiversitätsforschung organisiert sich diese, trotz innovativer disziplinärer Leistungen, von der Fragestellung und dem Auftrag her, im Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren immer intensiver inter- und transdisziplinär.

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Das Medienecho zu Dürrerisiken in Afrika

von Wolfgang Cramer

In der Presse ging es in den letzten Tagen wieder einmal um die alten Vorwürfe von Anfang 2010, der „Klimarat“ IPCC habe auf skandalöse Weise („Africagate“) die Dürrerisiken in Afrika übertrieben. Thematisiert wurde außerdem ein zuletzt vor Gericht ausgetragener Streit zwischen dem Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf (selbst IPCC-Autor) und einer Journalistin, die sich gegen Aussagen wehrte, die Rahmstorf bei den Wissenslogs von Spektrum über einen ihrer Artikel gemacht hatte. Worum geht es eigentlich wirklich? Da ich selbst an verschiedenen Stellen diese Vorgänge begleitet habe (Details am Ende dieses Artikels), und weil der Kern der Debatte auch den Fortbestand der Ökosysteme Afrikas trifft, melde ich mich hier mit meiner Einschätzung der Faktenlage zu Wort.

Der letzte (vierte) Sachstandsbericht des IPCC erschien im Jahr 2007, nach ausführlicher Prüfung durch viele Gutachter und auch die Regierungen aller Länder der Erde. In diesem Bericht, der in 3 Bänden mehrere Tausend Seiten umfasst, werden die Ergebnisse zahlloser wissenschaftlicher Untersuchungen zum Klimawandel und seinen Wirkungen ausgewertet. An einer Stelle hatte einer der IPCC-Autoren selbst (der Glaziologe Georg Kaser) einen signifikanten Fehler gefunden (ein Zahlendreher bei der Jahreszahl des erwarteten Abschmelzens von Gletschern im Himalaya) – dieser wird inzwischen auf der Webseite des IPCC richtiggestellt.

In der Folge wurde dann aber behauptet, es gäbe noch viele andere Fehler – bei den meisten ergab aber die unabhängige Prüfung, dass es sich um Missverständnisse handelte. In mehreren Fällen drängt sich auch der Eindruck auf, ein Fehler solle überhaupt erst herbeigeredet werden, indem Dinge gezielt aus dem Zusammenhang gerissen werden – bei einem Bericht dieser Größenordnung ein leicht zu erreichendes Ziel.

Für Afrika sind unter dem Schlagwort „Africagate“ insbesondere zwei Aussagen in Frage gestellt worden, um die es hier gehen soll. Erstens seien Angaben über die Risiken zukünftiger Trockenheit gemacht worden, für die, so heißt es, die wissenschaftliche Grundlage fehle. Zweitens seien die möglichen Folgen eben dieser Trockenheit für die afrikanische Landwirtschaft übertrieben dargestellt worden. Da mir insbesondere die zweite Behauptung perfide und für Afrikas Bauern möglicherweise fatal erschien, hatte ich es schon im vergangenen Jahr mit Mitarbeitern übernommen, die Aussagen des Berichtes von 2007 nochmals zu überprüfen. Da die Forschung ja weiter geht, haben wir außerdem eine Fortschreibung mit Blick auf die neueste Literatur gemacht. Unsere Prüfung ergab, dass der IPCC-Bericht an dieser Stelle keinen Fehler enthielt. Darüber hinaus zeigte die neuere Fachliteratur, dass die Risiken auch jetzt noch unverändert hoch eingeschätzt werden (siehe dazu auch den aktuellen Beitrag von Lars Fischer). Unser Ergebnis wurde unabhängig begutachtet und anschließend von einer angesehenen Fachzeitschrift, den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ aus den USA veröffentlicht.

Die erste Behauptung aber, dass die Zahlen über die zunehmende Trockenheit falsch seien, muss nun hier diskutiert werden. Vorweg ist zu sagen, dass die Behauptung selbst nicht neu ist und bereits im vergangenen Jahr im Rahmen einer sehr genauen Prüfung des Gesamtberichtes durch die niederländische Regierung widerlegt wurde. Trotzdem geistert sie immer wieder mal durch die Presse. U.a. war sie Gegenstand eines reißerischen Zeitungsartikels vom Februar 2010 im Kölner Stadtanzeiger und der Frankfurter Rundschau, der von letzterer im April 2010 zurückgezogen und aus gutem Grund korrigiert wurde.

Die in Frage stehende Aussage des Klimarates lautete unter der Überschrift „Afrika“: „Für das Jahr 2020 wird erwartet, dass zwischen 75 und 250 Millionen Menschen klimabedingt zunehmender Wasserknappheit ausgesetzt sein werden“. Um die Diskussion zu klären, soll hier nochmals gezeigt werden, auf welcher Grundlage der IPCC zu seiner Aussage kam.

2004 hatte der britische Professor Nigel Arnell, einer der international führenden Experten zum Thema Wasserhaushalt und Klimawandel, mit Kollegen eine groß angelegte Studie veröffentlicht, die versucht, die Anzahl der zukünftig möglicherweise von Wasserknappheit betroffenen Menschen weltweit abzuschätzen. Eine solche Untersuchung muss berücksichtigen, dass sich nicht nur das Klima ändert, sondern auch die Bevölkerungszahl, die in Afrika weiterhin stark zunimmt. Arnell und Kollegen hatten die erwarteten Veränderungen der Niederschläge in vierzehn unterschiedlichen Klimamodellszenarien benutzt, um mit einem hydrologischen Modell die Veränderungen im Abfluss der Flüsse und der Grundwasserbildung zu analysieren und dies regional mit der Bevölkerungsentwicklung zu kombinieren. Die Unsicherheitsmargen der Projektionen sind natürlich ebenfalls Teil der Analyse – hierdurch entstehen breite Spannen, die einfach offen die vorhandene Unsicherheit zum Ausdruck bringen. Alle diese Zahlen werden in Arnells leicht zugänglicher Publikation beschrieben und in etlichen Tabellen dokumentiert.

Die für den IPCC entscheidende Tabelle (Nr. 11) ist überschrieben mit „Anzahl Menschen mit zunehmender Wasserknappheit nach Regionen“. Dort ist Afrika in fünf Teilregionen aufgeteilt. Zählt man diese zusammen, erhält man die Spanne von 74 bis 239 Millionen, die im IPCC-Bericht gerundet als zwischen 75 und 250 Millionen Menschen angegeben ist. Der IPCC-Bericht hat also korrekt die Ergebnisse der Arnell-Studie wiedergegeben. Die niederländische Prüfung kam nach Diskussion mit dem Autor zu dem Schluss, dass das Ergebnis noch genauer hätte 90-220 Millionen lauten müssen, eine Abweichung die man angesichts der Unsicherheiten als geringfügig einschätzte.

In den beiden erwähnten Tageszeitungen aber (der Text ist weiter zugänglich) hatte eine Journalistin zum Thema dann geschrieben:

„Africagate“ heißt der jüngste Skandal um den 4. Sachstandsbericht des IPCC aus dem Jahr 2007; er betrifft die angebliche Nahrungsmittelknappheit in Afrika durch ausbleibende Niederschläge, und er hat noch ein ganz anders Kaliber. Denn hier ist Pachauri persönlich involviert. Und mit dem Chef des Klimarates wird nun sogar UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit in den Strudel hineingezogen. [...] Bis zum Jahre 2020, so wird auf Seite 50 prognostiziert, würden in Afrika voraussichtlich „zwischen 75 und 250 Millionen Menschen“ einer erhöhten Wasserknappheit infolge des Klimawandels ausgesetzt sein. Ebenfalls „bis 2020 könnten in einigen Ländern die Erträge aus der vom Regen bewässerten Landwirtschaft um bis zu 50 Prozent“ sinken. Es sei davon auszugehen, dass „die landwirtschaftliche Produktion, einschließlich des Zugangs zu Nahrung, in vielen afrikanischen Ländern stark gefährdet“ werde: „Dies würde die Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung weiter nachteilig beeinflussen und das Problem der Unterernährung verschärfen.“ Eine wissenschaftlich tragfähige Basis für diese Behauptung bleibt der IPCC-Bericht schuldig. Der englische Internet-Blogger Richard North und die Tageszeitung Sunday Times brachten es gemeinsam ans Licht.

Diese Skandalvorwürfe hatte Rahmstorf später in seinem Blog kritisiert und zugespitzt formuliert, die Vorwürfe seien durch die Journalistin von Richard North und der Sunday Times „kritiklos abgeschrieben“ worden. Obwohl er dies Anfang Juli 2010 nach einer Abmahnung durch den Anwalt der Journalistin bereits umformuliert hatte (denn ein wörtliches Abschreiben oder Plagiat war gar nicht gemeint, sondern lediglich die mangelnde kritische Nachprüfung), klagte die Journalistin zwei Monate später auf Unterlassung. Die Klägerin bekam insofern Recht, als dass nun nicht mehr behauptet werden darf, sie habe bei den von ihr selbst genannten Quellen kritiklos abgeschrieben. Damit bleibt aber die Frage bestehen, aus welchem Grund sie denselben Fehler wie North begehen musste, statt sich entweder selbst mit dem Artikel von Arnell zu befassen oder einen der deutschsprachigen Experten um eine Stellungnahme zu bitten?

Erst recht befremdet aber nun, dass ein weiterer Journalist, in der Zeitschrift des eingetragenen Vereins “Wissenschafts-Pressekonferenz” (WPK Quarterly), die Angelegenheit ein weiteres Mal aufwärmen musste, wohl ebenfalls ohne einen Experten zum Thema zu befragen. Markus Lehmkuhl behauptet, es sei unklar, wo die IPCC-Zahlen „75 bis 250 Millionen“ herkämen. Weiter behauptet er, in der Arnell-Studie seien „zwischen minus 23 und plus 200 Millionen“ ausgewiesen, und Rahmstorf habe die Arnell-Studie offenbar nicht gründlich gelesen.

Ich selbst habe, um sicher zu gehen, nach meiner eigenen Analyse auch noch direkt bei Nigel Arnell nachgefragt: er bestätigte mir, dass Lehmkuhls Zahlen aus seiner Studie nicht ableitbar sind und wissenschaftlich eindeutig falsch sind. Hätte Lehmkuhl selbst bei ihm nachgefragt (wie er es Rahmstorf nahelegt und wie es ja auch die niederländische Regierung getan hatte), dann hätte auch er diese Antwort bekommen.

Zu kritisieren an diesem Vorgang sind nach meiner Einschätzung drei Aspekte. Erstens wurden hier längst widerlegte Aussagen erneut verbreitet – mit der Geste des Aufklärers, in der Sache selbst aber erstaunlich unkritisch. Zweitens scheint das Ziel nicht die sachliche Information des kollegialen Lesers, sondern wohl eher die Diskreditierung des Klimarates IPCC gewesen zu sein – oder auch nur, einen am IPCC beteiligten Wissenschaftler zu diffamieren? Und drittens scheint die alles andere überschattende Frage, nämlich ob unsere ungebremste Nutzung von fossilen Energiequellen die Lebensgrundlage afrikanischer Bauern in Frage stellen könnte, seltsam aus dem Blickfeld zu verschwinden.

In Großbritannien, wo die Autorin ja auch ihre Quelle verortet, musste ein ähnlich konstruierter Skandalvorwurf gegen den IPCC („Amazongate“) immerhin auf Entscheid der britischen Medienaufsicht zurückgezogen werden. Ursprung der falschen Vorwürfe waren auch hier der „Klimaskeptiker“-Blogger Richard North und der Sunday Times Journalist Richard Leake.

Wolfgang Cramer war an den Berichten des IPCC seit 1996 zentral beteiligt (derzeit koordinierender Leitautor eines Kapitels zu beobachteten Klimawirkungen) und bis Sommer 2011 Kollege von Stefan Rahmstorf am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er ist derzeit Forschungsdirektor am Institut Méditerranéen d’Ecologie et de Paléoécologie des CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Aix-en-Provence, Frankreich.

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Schönheit der Biodiversität

Mikroskopaufnahme von Zieralge bei Zellteilung (Foto: M.Eder/INM)

Dieses Bild zeigt, wie schön Natur im Nano-Kosmos ist. Zu sehen sind zwei Halbzellen einer Zieralge, die sich gerade voneinander teilen. Mit diesem Bild gewann Magdalena Eder, Post-Doc am Leibniz-Institut für Neue Materialien, den 3. Preis im Fotowettbewerb “Nanotechnologie”. Angefertigt hat sie das Bild mit einem PolScope-Mikroskop. Das Lichtmikroskop erlaubt einen Blick in die Zelle hinein und macht kristalline Zellbestandteile in leuchtenden Farben sichtbar.
http://www.inm-gmbh.de/2011/10/fotopreis-fur-inm-forscherin/

(eingestellt von Josef Zens)

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Ein Weltbiodiversitätsrat wird etabliert

Und dazu gibt es einen Blog aus Nairobi.

(verlinkt von Josef Zens via Reinhold Leinfelder)

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2011 ALTER-Net Summer School on Biodiversity and Ecosystem Services: some reflections

by Wolfgang Cramer, Allan Watt, Sabine Lütkemeier & Uta Fritsch (original article here on the ALTER-Net web page)

The organisers of ALTER-Net’s 2011 Summer School on biodiversity and ecosystem services share their thoughts after 10 days in the ‘pressure cooker’

We have just concluded the sixth ALTER-Net Summer School in Peyresq, Alpes de Haute Provence, France. Thirty-one students, about 20 speakers and our team of tutors and conveners experienced another (as one participant referred to it) “intellectual pressure cooker”, developing and testing ideas about new assessments of ecosystems and what they mean for people on this planet.

The intensity of these schools has always been breathtaking. Upon arrival, everyone gathers on the terrace and gives a brief outline of their expectations, which often are far apart from each other, but which always indicate just how intensively the selected students have contemplated the human-caused biodiversity crisis and its impacts on humanity itself. The next day, everyone presents a poster of his/her own research – another intensive event as everyone tries to understand what kind of people are going to be one’s company in this tiny village during the coming ten days.

The theme “biodiversity and ecosystem services” is then introduced with some talks, and the atmosphere is soon established: questions are allowed any time, and talks are intended to encourage debate. A key emerging property of the school over the years has been that speakers (all of them very well established people in the field) considerably re-think their own ideas before presenting them. In several cases, this has triggered new ideas to be born, simply out of the exchange between people that often continues during breaks and meals.

Working groups are formed to generate another mechanism to test the concepts presented. The idea there is to understand the actual meaning of ecosystems and the services they provide for different stakeholders in a given region, and to synthesise them. After an afternoon’s work, everyone gets together and listens to yet another talk, intended to be thought-refreshing and often about a rather different topic.

This goes on for a few days; as a way of avoiding too linear thinking we then make a field trip which takes us down from the Alps to the lower lands of Provence to study the processes of land use change: in the lavender fields of the Plateau de Valensole, on the beach of the “tourist machine” Lac de St. Croix, and in the gorges of the Verdon.

After the school, many Peyresq participants become members of a global “alumni network” that now comprises about 340 people (participants, speakers, conveners included). Looking at this list of names and addresses indicates that an idea seems to have found a substrate to grow upon. What is this idea, and how has it evolved?

About 10 years ago, the idea of quantifying the importance of ecosystem functioning for people was not widely accepted – certainly not in the conservation community – but it was slowly gaining momentum in some interdisciplinary communities concerned with trade-offs between different social actors who depend on intact ecosystems. To bring this idea into a training situation was the key concept of a concerted action, funded by the European Commission (Integrated Assessment of Vulnerable Ecosystems under Global Change – AVEC). Rik Leemans (Wageningen, The Netherlands) was one of its co-founders. In AVEC, we developed the basic summer school idea and successfully implemented it in 2003 and 2005, just in time for the arrival of the much larger Network of Excellence ALTER-Net on the European scene. ALTER-Net allowed us to continue and further develop the main ideas, and it provided the basis for yearly events – 2011 was the sixth of these (Rik’s place having been taken halfway through by Allan Watt).

The impact of the Peyresq “pressure cooker” on ALTER-Net itself may be subject to different opinions. We think we have observed a considerable change of thinking in the community, leading to more openness for the idea of quantifiable ecosystem services than existed in 2001, and more generally to a better understanding across disciplinary boundaries such as that between ecologists and economists. This “mainstreaming” is obviously a global process and only in some part, perhaps, driven by debates in the small Peyresq seminar room. But the yearly discussions about future schools and their contents have probably caused reflection also among people not directly involved, just as the interactions between alumni and their respective communities undoubtedly have.

2011 is the year where the Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) ends its involvement. Sabine Lütkemeier, the geologist who had been a key figure in both management and outreach of German global change research prior to ALTER-Net, has been summer school director of operations for 8 years and moves on to well-deserved retirement. Wolfgang Cramer has already left PIK and takes up leadership of a new CNRS biodiversity lab in Aix-en-Provence and Marseille.

As conveners of the AVEC and ALTER-Net summer schools over the last eight years, we sincerely hope that whoever takes responsibility for organising, convening and tutoring the students through future summer schools will maintain their innovative and challenging spirit. Doing so would be a fine demonstration of ALTER-Net’s unbroken commitment to training the next generation of scientists. It would also pay tribute to the substantial support we have enjoyed from the Belgian charity Foyer d’Humanisme, its president Mady Smets, as well as from the local Peyresq staff who have been magnificent helpers in an activity of global importance.

- Wolfgang Cramer, Institut Méditerranéen d’Ecologie et de Paléoécologie (IMEP), Aix-en-Provence, France
- Uta Fritsch, European Academy of Bozen, Italy
- Sabine Lütkemeier, Potsdam Institute for Climate Impact Research, Potsdam, Germany
- Allan Watt, Centre for Ecology & Hydrology, Edinburgh, United Kingdom

(Link to the detailed programme, alumni list and other information about the AVEC/ALTER-Net Summer Schools at PIK)

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A Planetary Crisis Is A Terrible Thing to Waste

Auf dem Yale environment 360-blog ist ein spannender, sehr lesenswerter Beitrag von Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl erschienen:

A Planetary Crisis Is
 A Terrible Thing to Waste

There are striking similarities between the current economic and ecological crises — both involve indulgent over-consumption and a failure to consider the impacts on future generations. But it’s not too late to look to new economic and environmental models and to dramatically change course.

by Christian Schwägerl

While the economy and ecology are often pitted against each other, they share the same linguistic root: “Eco” is derived from the ancient Greek word, oikos, meaning house, or household. So both words refer to the art of managing or understanding the household — or environment — in which you live. These days, the linkage of the economy and ecology takes on new meaning.

The financial crisis that erupted in 2008 was driven by governments and consumers wildly over-spending, abetted by bankers and financiers who got rich doling out loans to people who often had little chance of repaying them. A bad loan is one where one or both sides don’t expect repayment and design ways to pass on the risk to somebody else, for example the taxpayer or central banks.

Bad loans are characteristic of how we treat the planet, too. In our global house, our ultimate central bank is the natural environment, with its treasure troves of water, wood, food, and hospitable climate. We’re taking out credits when we grow food, catch fish, or benefit from a climate system that meets our needs. Taking out sound loans would mean paying back interest in the form of sustainable management efforts, so the natural capital can regenerate. For example, it would mean catching only as many fish as can grow back in the ocean, logging only as much rainforest as will regenerate naturally in a certain time, and adjusting consumption of fossil fuels so we stay within safe limits for CO2 levels in the atmosphere. It would also mean investing heavily in green technologies.

But our current system of managing our environmental household is all about designing bad loan schemes to defraud nature’s central bank and passing on the debt to future generations. In order to exploit the natural world, we have rigged accounting rules and ignored the financial and ecological value of intact ecosystems, biological diversity, clean water, and many other forms of the planet’s natural capital. This has actually worked for some decades and created Western wealth as we know it.

But the Ponzi scheme of hyper-consumerism is approaching the equivalent of the Lehman collapse in 2008. Ecologists tell us that humans are consuming natural resources at a scale and speed that 1.3 planet Earths would be needed to sustain it, and that it would take four to five planets if all the Earth’s 7 billion people wanted to live like the West. With more ecological problems building up, it’s time to pay the bills ourselves, rather than fobbing them off on children.

One example is per capita CO2 emissions. German Chancellor Angela Merkel, a conservative politician, has just publicly endorsed calculations by the Potsdam Institute for Climate Impact Research that show how much we overdraw our global CO2 budget. According to the institute, beginning today the average human being must not emit more than 2 tons of CO2 per year in order to avoid dangerous global climate change. But the average Chinese citizen is emitting 4 to 5 tons per year, the average German 11 tons, and the average American more than 20 tons. That means we’re overdrawing our CO2 budget by a factor of 2 to 10.

Living off money that ultimately does not exist and living off natural resources that are non-renewable are two aspects of the same problem. Shopping with money taken out on credit cards has long been a way of life in the U.S., which has led to a spendthrift attitude toward resources. Buying big SUVs or second cars that emit large quantities of CO2 are telltale symbols of living beyond one‘s means.

In 2008, three renowned biologists, including Simon A. Levin from Princeton University, published an article in Nature entitled “Ecology for Bankers.” They argued that “(t)here is common ground in analyzing financial systems and ecosystems, especially in the need to identify conditions that dispose a system to be knocked from seeming stability into another, less happy state.” The recent bailout programs have shown how difficult and expensive it is to push the economy back to a happier state. But natural ecosystems are much more complex and difficult to restore. For rainforests, oceans, and the global climate system, bailout programs will be much more costly — if they are possible at all.

A truly disheartening consequence of the current financial crises in the U.S. and Europe is how our profligacy is sucking up money needed to empower the younger generation. Schools, vocational training programs, universities, biomedical research institutions, green-tech companies, and environmental regeneration projects need their budgets to grow in order to
People living beyond their means effectively force future generations to live below their means.
keep up and finally get ahead of the wave of problems we face. Yet the opposite is occurring. People who have been living beyond their means by excessive consumerism and excessive profits now effectively force future generations to live below their means. Denying these young people the necessary access to education, science, and green technologies will undermine the power of the U.S. and the European Union in tomorrow’s world. I keep wondering why the younger generation is not more vocal in the current crises, protesting against the attack that is currently being waged against their future.

So what might be a positive perspective for our planetary housing and banking crisis? I think the current situation could act as an eye-opener, forcing people to ask deeper questions and reject solutions designed to work just until the next election. The demand for an economic model beyond the boom-and-bust cycle of bad loans is growing. Such a model would have to value education and research much higher than today and put a price on carbon emissions and ecosystem services in order to make sound loans from nature’s central bank the new normal. It would need to create wealth through hard work and innovation, rather than speculation and credit cards.  (> continue and go to full article)

(eingestellt von Reinhold Leinfelder für Vielfalter-Blog)

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Entscheidung Vorrunde DFG-Zentrum “Integrative Biodiversitätsforschung” gefallen: Leibniz-Institute sind in drei Konsortien mit dabei!

(MPK) Die Entscheidung des Senats der DFG zum Vorentscheidung für die Einrichtung des neuen DFG-Zentrums „Integrative Biodiversitätsforschung“ ist heute in einer Pressemitteilung veröffentlicht worden. Von den 15 Bewerbern wurden vier Konsortien zum Vollantrag ausgewählt: Es handelt sich um die Konzepte der FU Berlin, der Uni Göttingen, das gemeinsame Konzept der Universitäten Leipzig, Jena und Halle sowie der Universität Oldenburg.

An allen Konsortien sind jeweils bis zu  mehreren Leibniz-Instituten beteiligt.

Die drei Universitäten und der Universitätsverbund sollen nun in der zweiten Runde detaillierte Anträge einreichen. Nach Begutachtung der Vollanträge entscheidet der DFG-Hauptausschuss im April 2012 über den endgültigen Standort des siebten DFG-Forschungszentrums.

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Neuer Weltrekord im Schnellfliegen über lange Distanzen

Schwedische Forscher haben vermutlich den schnellsten Zugvogel aufgespürt. Die Doppelschnepfe (Gallinago media), eine ausgesprochen seltene und bedrohte nahe Verwandte der Bekassine, flog in 3,5 Tagen 4200 miles (knapp 6800 km) vom jämtländischen Brutgebiet (Nordost-Schweden) ins zentrale afrikanische Überwinterungsgebiet. Das entspricht einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 60 mph (=knapp 100 km/h). Insgesamt zehn Vögel wurden mit Mikrosendern (sogenannte Geolocators mit einem sensationellen Gewicht von nur 1,1, Gramm) bestückt. Bei immerhin drei Vögeln, die ins Brutgebiet zurückkehrten, konnte die Flugroute rekonstruiert werden. (MPK)

Mehr Informationen finden Sie hier.

Literatur:

Raymond H. G. Klaassen, Thomas Alerstam, Peter Carlsson, James W. Fox and Åke Lindström, Great flights by great snipes: long and fast non-stop migration over benign habitats, Biology Letters, published 25 May 2011, doi:10.1098/rsbl.2011.0343

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Die neue EU-Biodiversitätsstrategie 2020 – ein Kommentar

eingestellt von Matthias Premke-Kraus

Die mit Spannung erwartete EU-Biodiversitätsstrategie 2020, die am 3. Mai veröffentlicht wurde, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dies hat drei Gründe: Zum einen will man sich in 2020 eine erneute Blamage ersparen, wie im letzten Jahr, als die EU und die Mitgliedstaaten sich eingestehen mussten, die 2010-Ziele weit verfehlt zu haben (z.B. EEA Report 2010, SOER 2010). Zum anderen klingt zwischen den Zeilen durch, dass die EU sehr wohl ihre Hausaufgaben bereits gemacht hat und das Problem bei den Mitgliedsstaaten liegt – also bei der Umsetzung.

In der Tat gibt die EU schon seit langem den Ton an, wenn es um die Umsetzung von Naturschutzzielen in Europa geht. Ein Europa beispielsweise ohne die Direktiven (z.B. FFH, Vogel, Wasser und Meer) ist heute nicht mehr vorstellbar und hat dem Naturschutz, der in den Mitgliedsländern besonders in den 80er ins Stocken geraten war, neue Flügel verliehen. Auch Deutschland hat schon einmal zu spüren bekommen, dass es der EU Ernst ist, als Zahlungen wegen des Verzugs bei der Meldung von FFH-Gebieten geleistet werden mussten.

Drittens ist der Schauplatz, wo tatsächlich Fortschritte erzielt werden, ein anderer. Dieser Schauplatz sind die laufenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2013 sowie zur Fischereipolitik.

Deswegen ist in den Zielen überwiegend Altes neu verpackt. Die 20 genannten Maßnahmen im Anhang der Mitteilung orientieren sich überwiegend an Bekanntem im Zusammenhang mit den internationalen Verpflichtungen, die die EU eingegangen ist (z.B. Johannesburg 2002, COP 10).

Neue Instrumente beziehen sich eher auf eine Verbesserung der (Langzeit-) Erfassung, Bewertung und Berichterstattung. Dort ist in den nächsten Jahren viel zu erwarten. Das ist auch dringend nötig. Zu begrüßen ist auch, dass die EU die stärkere Einbeziehung der Biodiversitätsziele in andere policies anstrebt. Ein mehr ganzheitlicher Ansatz wird verfolgt durch die Einbeziehung eines ressourcenschonenden Europas mit einer grünen Infrastruktur und einer green economy. Dies soll durch eine verstärkte Anwendung des Konzeptes der Ökosystemdienstleistungen erreicht werden (valuing nature’s potential).

Die Erreichung der 2050-Vision bleibt tatsächlich vorerst nur eine Vision.

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Die neue EU-Biodiversitätsstrategie 2020

eingestellt von Matthias Premke-Kraus

Die mit Spannung erwartete EU-Biodiversitätsstrategie 2020 ist am 3. Mai veröffentlicht worden (COM(2011) 244 final). Die Strategie definiert die mittelfristigen Ziele zur Erreichung der langfristigen Ziele bis 2050.

Die EU konzentriert sich auf sechs prioritäre Ziele, die in dem Anhang der Mitteilung durch insgesamt 20 Maßnahmen konkretisiert werden.

  • Vollständige Umsetzung der FFH-Richtlinie (habitats directive) und der EU-Vogelschutzrichtlinie (birds directive) bis 2020 zur Verbesserung des Erhaltungszustandes des Natura 2000-Netzwerkes.
  • Die Verbesserung und Wiederherstellung von Ökosystemen und Ökosystemdienstleistungen durch Ausbau der Grünen Infrastruktur (green infrastructure) und Restoration von mindestens 15 % degradierter Ökosysteme.
  • Ausweitung der nachhaltigen Nutzung in Landwirtschaft und Forstwirtschaft durch Integration der EU Biodiversity Strategy 2020 in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) (common agricultural policy = CAP) und deren bevorstehende Neuauflage. Die Messbarkeit dieser Erfolge wird nachgewiesen durch das assessment in target 1 und 2.
  • Erreichung des sogenannten „maximum sustainable yield“ (MSY) in der Fischerei bis 2015 nach den Kriterien des World Summit of Sustainable Development in Johannesburg in 2002 sowie der COP 10 in Nagoya 2010.
  • Das Neuauftreten und die Ausbreitung etablierter invasiver Arten (invasive alien species = IAS) soll durch Aufspüren der Wege, auf denen sie nach Europa gelangen, durch geeignete Präventionsmaßnahmen sowie wirkungsvolles Management verhindert werden, um negative Folgen auf einheimische Arten und Ökosysteme zu vermeiden.
  • Verstärktes Engagement der EU zur Abwehr des globalen Biodiversitätsverlustes im Rahmen der internationalen Verantwortung, zu der sich die EU beim World Summit of Sustainable Development in Johannesburg in 2002 und auf der COP 10 in Nagoya verpflichtet hat.

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